Wie viele Wölfe gibt es in Sachsen-Anhalt?

Seit dem Jahr 1996 ist der Wolf nach Deutschland zurückgekehrt. Nach den ersten Tieren in der sächsischen Lausitz folgte die Ausbreitung nach Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Seit dem Jahr 2000 vermehrt sich der Wolf in Deutschland. In Sachsen-Anhalt gibt es seit 2009 regelmäßig Nachwuchs.

Die Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt hat sich wie folgt entwickelt (Anzahl der Individuen):

 

  • 2009 / 2010: 7
  • 2010 / 2011: 11
  • 2011 / 2012: 12
  • 2012 / 2013: 20
  • 2013 / 2014: 44
  • 2014 / 2015: 64
  • 2015 / 2016: 80
  • 2016 / 2017: 85
  • 2017 / 2018: 92
  • 2018 / 2019: 98

 

Diese Zahlen stammen aus dem Wolfsmonitoringbericht Sachsen-Anhalt, der jährlich aktualisiert wird. Die Zahlen lassen vermuten, dass sich die Mitteleuropäische Flachlandpopulation eher über eine Erweiterung des Ausbreitungsgebietes vergrößern wird. Die Dichte wird nicht deutlich zunehmen. Jedes Rudel braucht seinen Platz. Erfreulich ist, dass sich trotz steigender Individuenzahl von 2017/2018 zu 2018/2019 die Anzahl der Rissvorfälle von 62 auf 50 gesunken ist. Die Förderung des Herdenschutzes (HIER LINK ZU: https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/herdenschutz) beweist sich damit als überzeugender Ansatz, um die Koexistenz Weidetierhaltung und des unter höchstem Schutz stehenden Wolfes zu unterstützen.

Wurde der Wolf wiederangesiedelt?

Nein. Es gab und gibt keine Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen-Anhalt. Der Wolf hat sich natürlich wieder ausgebreitet. Durch die falsche Nutzung des Wortes „Wiederansiedlung“ wird eine aktive Handlung unterstellt, die nicht stattgefunden hat.

Warum ist der Wolf so wichtig für unser Ökosystem?

Die Existenz von Großprädatoren (Raubtieren wie Luchs und Wolf) ist ein Indikator, dass die darunterliegende biologische Nahrungspyramide intakt ist. Die Existenz von Wolf und Luchs ist also eine positive Aussage über den Zustand des lokalen Ökosystems. Der Wolf trägt dazu bei, dass unser Ökosystem gesund wird.

Wie ist der Wolf geschützt?

Der Wolf ist nach internationalen, europäischen und nationalen Rechtsvorschriften streng geschützt. Die Europäische Union verlangt von den Mitgliedsländern, dass sie den Fortbestand gewährleisten. Der rechtliche Status des Wolfes und die vom Europäischen Gerichtshof dazu ergangenen Urteile schützen den Wolf auf der gesamten Landesfläche. Bestimmte Gebiete können nicht vom Wolf freigehalten werden. Außerdem darf der Bestand laut Gesetz nicht reguliert werden.

Für Sachsen-Anhalt hat das grün geführte Umweltministerium die Leitlinie Wolf erarbeitet. Sie sorgt für Klarheit und klärt die wichtigen Fragen im Umgang mit der Wiederausbreitung des Wolfes. Sie definiert auch, was ein „Problemwolf“ ist und wie mit ihm umgegangen wird. In letzter Konsequenz ist ein Abschuss möglich. Hier findet ihr die Leitlinie.

Muss ich Angst vor dem Wolf haben?

Seit Wiederausbreitung des Wolfes in Sachsen-Anhalt gab es keinen Wolfsangriff auf Menschen. Im Übrigens auch nicht in Deutschland oder in Mitteleuropa. Statistisch gesehen sind Menschen stärker durch Wildschweineangriffe oder Angriffe durch Hunde gefährdet. Für uns ist aber klar, dass die subjektive Angstwahrnehmung jedoch wesentlich größer ist. Wir nehmen diese sehr ernst. Denn für manche Menschen bedeutet der Wolf ein Verlust der Lebensqualität, da sie wegen ihm den Wald meiden. Nach mehreren Generationen ohne Wolf braucht das Zusammenleben zwischen Menschen und Tier Zeit, um wieder selbstverständlich zu werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums kommen auf Anfrage gern in Kitas, Schulen, Kommunen oder den Verein und erläutern das natürliche Verhalten des Wolfes. Sie geben Verhaltenstipps für Menschen, um das Verständnis für das Tier zu fördern und dem Wunsch nach umfassender Information nachzukommen.

Wieso werden Wölfe in Nähe von Siedlungen oder von Fahrzeugen gesichtet?

Wolfsreviere sind zwischen 200 bis 300 Quadratkilometer groß. Junge Wölfe wandern in einer Nacht bis zu 80 Kilometer. Durch die hohe Siedlungsdichte in Deutschland liegen dadurch immer Ortschaften und Gehöfte in den Wolfsrevieren. Wölfe erkennen Personen in Autos oder Traktoren nicht, daher nähern sich die Tiere den Fahrzeugen eher an als Menschen. Gleiches gilt für Siedlungen. Erst wenn ein Mensch sichtbar ist oder sich laut bemerkbar macht, tritt die natürliche Scheu des Wolfes ein und er zieht sich zurück.

Foto: raincarnation40/pixabay.com

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegnen sollte?

Ist der Wolf noch in der Ferne, sollte man sich unbemerkt zurückziehen. Ist dies zum Beispiel wegen der räumlichen Nähe nicht möglich, sollte man mit großen Bewegungen und Geräuschen den Wolf vertreiben.

Wann darf ein Wolf abgeschossen werden?

Ein Wolf darf abgeschossen werden, wenn er ein auffälliges Verhalten hat. Das ist gegeben, wenn er zum Beispiel mehrfach Tiere aus der gleichen geschützten Herde reißt und gelernt hat die Herdenschutzeinrichtungen zu überwinden oder wenn er sich Menschen gefährlich annähert und keine Scheu dabei zeigt. In der Leitlinie Wolf ist die Vorgehensweise genau geregelt: „Bei einem Auftreten verhaltensauffälliger Wölfe sind die notwendigen Maßnahmen wie Vergrämung oder Tötung durch das Landesverwaltungsamt in Abstimmung mit dem Wolfskompetenzzentrum und im Einvernehmen mit dem für Naturschutz zuständigen Ministerium festzulegen.“ In Sachsen-Anhalt gab es noch keine genehmigte Wolfsentnahme.

Warum darf der Wolf nicht bejagt werden?

Der Wolf ist rechtlich geschützt und darf nicht bejagt werden. Im Übrigen führt die Jagd von Wölfen dazu, dass die Sozialstruktur des Rudels zerstört wird. Jungtiere dürfen auf gar keinen Fall von deren Eltern getrennt und entnommen werden. In den US-Bundesstaaten Idaho, Montana und Wyoming hatte das Erlegen einzelner Wölfe sogar dazu geführt, dass in den Folgejahren die Nutztierrisse stiegen.

Wie schützen wir Schafe auf der Weide?

Mit der Wiederausbreitung des Wolfes entstehen Konflikte mit der Weidetierhaltung, die für die Deichpflege und das Offenhalten der Landschaft unersetzlich ist. Die Weidetierhaltung ist im Allgemeinen schwierig und wirtschaftlich wenig attraktiv. Der Wolf ist daher eine von vielen Belastungen für die Weidetierhaltung. Unser Ziel ist deshalb, dass der Wolf und die Schafe auf der Weide koexistieren können. Gleichzeitig wollen wir die Weidetierhaltung grundsätzlich und unabhängig vom Wolf aufwerten. Deshalb setzen wir uns auf Bundesebene für eine Kopfprämie pro Schaf und Ziege von jährlich 30 Euro ein. Diese soll über eine gekoppelte Zahlung aus der 1. Säule (Direktzahlungen) der Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union finanziert werden – spätestens mit der neuen Förderperiode der GAP.

Wir unterstützen die Koexistenz mit dem Dreiklang Beraten/Schützen/Entschädigen.

Beraten:
Mit dem Wolfskompetenzzentrum wurde eine zentrale Stelle geschaffen, um die Unterstützung zu verbessern. Das Wolfskompetenzzentrum ist zuständig für das wissenschaftliche Monitoring, die Begutachtung von Nutztierrissen, die Beratung zu Herdenschutz und die Öffentlichkeitsarbeit.

Schützen:
Um Nutztiere schützen zu können, fördert das Land zu einhundert Prozent die Anschaffung von Elektrozäunen und Herdenschutzhunden. Das grün geführte Umweltministerium setzt sich bei der Europäischen Union dafür ein, dass für den Unterhalt von Herdenschutzhunden Prämienzuschüsse für Mehraufwendungen gezahlt werden.

Entschädigen:
Wenn der Verdacht sich bestätigt, dass ein Wolf ein Nutztier gerissen hat, stellt der Geschädigte einen Antrag auf Entschädigung. Dabei benennt er den Wert seines Tieres. Gemäß Richtlinie wird der Wert des Tieres vom zuständigen Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt (ALFF) berechnet. Sollten die Werte abweichen, gibt es eine Anhörung. Danach wird ein Bescheid erstellt und das ALFF weist die Zahlung an.

Werden andere Tiere in Sachsen-Anhalt von Wolf bedroht?

Es ist zu erwarten, dass der Bestand des Muffelwildes in Sachsen-Anhalt leider lokal aussterben wird. Das Muffelwild hat keine funktionierende Fluchtstrategie gegen Luchs und Wolf in Sachsen-Anhalt. Die natürliche Fluchtstrategie des Muffelwildes benötigt Steilwände in Gebirgen. Diese sind in Sachsen-Anhalt äußerst selten vorzufinden. Für den Artenschutz ist das Aussterben vom Muffelwild in Sachsen-Anhalt verkraftbar, da hier weder sein Hauptverbreitungsgebiet noch ein geeigneter Lebensraum ist. Das Muffelwild ist keine heimische Tierart, die es zu schützen gilt. Es wurde ausschließlich zu Jagdzwecken hier angesiedelt. Das Schutzgebiet des Muffelwildes ist in Korsika und Sardinien.

Zusammengefasst: Was wollen wir?

Wir wollen:

  • das Zusammenleben zwischen Menschen und Tier verbessern.
  • den Konflikt zwischen Weidetierhaltung und Wolf mit Herdenschutz lösen.
  • die Rissvorfälle durch konsequenten Herdenschutz weiter reduzieren.
  • verbesserte Bedingungen für Weidetierhalter.
  • keine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht.

Ihr Abgeordneter

Wolfgang Aldag (Seite Abgeordnete)
Wolfgang Aldag
Sprecher für Klima-, Natur- und Umweltschutz, Bildung sowie Kultur
0391 560 4023
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