Für uns gilt: In einer solchen Lage müssen die Bevölkerung sofort geschützt, die Risiken klar benannt und alle verfügbaren Informationen offen kommuniziert werden. Genau daran bestehen nach dem bisherigen Verlauf erhebliche Zweifel. Wer mit einer möglichen unsichtbaren Gefahr konfrontiert ist, darf nicht über Tage mit Unsicherheit und offenen Fragen zurückbleiben.
Kritisch ist vor allem der Umgang mit der Öffentlichkeit. Nach unserer Auffassung wurde nicht früh genug, nicht klar genug und nicht geschlossen genug informiert. Das betrifft den Landkreis ebenso wie Neptune Energy. Bei einem Vorfall dieser Tragweite müssen Behörden und beteiligte Unternehmen Verantwortung übernehmen, nachvollziehbar kommunizieren und aktiv zur Aufklärung beitragen.
Besonders schwer wiegt zudem der Eindruck, dass auch die Informationskette bis zum zuständigen Ministerium nicht verlässlich funktioniert hat. Sollte sich das bestätigen, wäre das ein ernstes Defizit im Krisenmanagement. Bei einem Fund dieser Art müssen alle zuständigen Stellen ohne Verzögerung eingebunden sein.
Wolfgang Aldag, umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärt: „Der Vorfall in Cheine ist hochalarmierend. Quecksilber ist kein Bagatellstoff, sondern ein hochgiftiges Schwermetall. Dass die Menschen vor Ort auch gut eine Woche nach der Entdeckung noch immer nicht die Sicherheit haben, die sie erwarten dürfen, ist nicht hinnehmbar. Noch gravierender ist, dass es offenkundig an klarer und verlässlicher Information gefehlt hat. Jetzt muss vollständig offengelegt werden, wann welche Stelle was wusste, wer informiert wurde und warum die Bevölkerung nicht früher Klarheit bekommen hat.“
Wir fordern eine lückenlose Aufklärung, eine belastbare Einschätzung der Gefahrenlage und klare Konsequenzen für künftige Umweltvorfälle. Die Menschen in Cheine haben Anspruch auf Schutz, Transparenz und verlässliches staatliches Handeln.
