Mehr Recyclingbaustoffe - Weniger Deponien | Bericht zum Webinar



 

Unsere Fraktion setzt sich für mehr Recyclingbaustoffe an, damit weniger Deponien in Sachsen-Anhalt benötigt werden. Wie das genau gelingen kann, wurde in einem Webinar am 17. Februar 2021 erörtert. Denn die beantragten Deponien sorgen für verständlichen Unmut der Bevölkerung. Gleichzeitig fordern Teile der Bauwirtschaft mehr Deponiekapazitäten. Wolfgang Aldag, umweltpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion, erläuterte unsere Ziele: Wir suchen nach Lösungen, welche für alle Beteiligten Vorteile bieten.


Eine Lösung ist der stärkere Einsatz von Recyclingbaustoffen, da dadurch der Deponiebedarf gesenkt werden kann. Die Geschäftsführerin der Bundesgütegemeinschaft Recyclingbaustoffe e.V., Christine Buddenbohm, stellte vor, wie solche Stoffe zertifiziert werden, damit die Qualität gesichert wird. Dies erfolgt über akkreditierte Prüfstellen. (zum Vortrag als pdf)


Außerdem stellte sie dar, wie groß die Mengen von Abfällen sind, wie viele davon recycelt, verwertet und beseitigt werden. Recycelte Materialien werden aufbereitet und für den gleichen Zweck wiederverwendet. Bei der Verwertung wird das Material einem neuen Zweck zugeführt. Dies kann auch die Verbrennung zum Gewinn von Strom oder Wärmeenergie sein oder auch der Wegebau in einer Deponie. Beseitigung bedeutet, dass das Material auf jeden Fall auf der Deponie landet.


Die mit Abstand größten Abfallmengen gibt es in den Kategorien „Boden/Steine“, diese werden zu 13,9 Prozent beseitigt, sowie „Bauschutt“ mit 6,2 Prozent Beseitigung. Ein stärkerer Einsatz von Recyclingbaustoffen würde dazu führen, dass Material, welche zuvor in der Beseitigung oder Verwertung landete, aufbereitet wird. Dadurch würde der Deponiebedarf sinken.


Buddenbohm führte zu den Hemmnissen des Einsatzes von Recyclingbaustoffen aus. Bauherren fehlen oft die Akzeptanz dafür. Aber auch öffentliche Ausschreibungen werden zu oft ihrer Vorbildwirkung nicht gerecht. Zum Beispiel schließen Begriffe wie „natürliche Gesteinskörnungen“, „Kies“, „Baustoffgemisch aus Kies“, „Schotter“ oder „Kies-Sand“ Recyclingbaustoffe aus. Dagegen ermöglichen Begriffe wie „Gesteinskörnungen“, „Baustoffgemisch“ und „Material“ den Einsatz. Darüber hinaus braucht es mehr Forschung und Entwicklung, damit Material mit sehr feiner Kornverteilung, welche bisher zum Beispiel als „Kabelsand“ genutzt werden, für weitere Einsätze angewendet werden kann. So soll dieses Material nicht mehr in einer Deponie landen müssen. Der Einsatz von Recycling-Beton befindet sich erst in der Pilotphase. Buddenbohm plädierte, dass er regelhafter zum Einsatz kommen sollte.  


In der Diskussion wurde die Mantelverordnung, die derzeit auf Bundesebene nach 15 Jahren Verhandlungen sich auf der Zielgerade befindet, kritisiert. Sie soll zwar bundeseinheitliche Regelung für die Verwendung von Baustoffen schaffen. Allerdings wurde insbesondere kritisiert, dass die Ausrichtung auf eine Kreislaufwirtschaft fehlt. Manche Teilnehmer befürchteten, dass den jetzigen Entwurf der Mantelverordnung einen Rückschritt beim Einsatz von Recyclingbaustoffe in Sachsen-Anhalt führen könnte. Zentrale Forderung der Bundesgütegemeinschaft, welche auch die IHK Sachsen-Anhalt positiv bewertete, ist die Aufrechterhaltung der Abfallende-Regelung, welche in einem früheren Referentenentwurf bereits enthalten war, jetzt aber wieder nicht mehr enthalten ist.


Nach der Diskussion zeigte sich, dass es sich lohnen würde, den Einsatz von Recyclingbaustoffen zu erhöhen. Denn damit wird den Deponiebedarf zumindest gesenkt und trägt auch zum Umweltschutz durch geringeren Abbau bei.

 


Wolfgang Aldag
Wolfgang Aldag
Sprecher für Energie, Klima-, Natur- und Umweltschutz, Bildung sowie Kultur.

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