Viel Motivation aus dem Kongress #LANDleben

Kaum noch ein Stuhl hat in die Kantine des Landtags gepasst: Knapp 200 Gäste sind zum Kongress „#LANDleben – Dorf’s ein bisschen mehr sein“ der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 29. Februar 2020 gekommen, um darüber zu reden, wie die ländlichen Regionen gestärkt werden können.

Das Thema ist aktueller denn je. Ein Tag zuvor wurde mit der Parlamentsreform die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land als Staatsziel in die Landesverfassung aufgenommen. „Mit dem Kongress, seinen Folgeveranstaltungen und dem daraus folgenden Positionspapier werden wir diesen Paragrafen der Landesverfassung mit Leben füllen“, erklärt Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

„Die ländlichen Regionen brauchen mehr als nur Geld, um gestärkt zu werden. Die Menschen brauchen mehr Mitbestimmung. Der Staat muss mehr ermöglichen, nicht nur versorgen“, fasst Cornelia Lüddemann zusammen.


In Sachsen-Anhalt leben 80 Prozent der Menschen in ländlichen Regionen. Dabei hat sich aber die Einwohnerzahl seit 1946 halbiert. „Das Land hat weniger Einwohnerinnen und Einwohner wie zur Kaiserzeit. Das ist dramatisch“, sagt Dr. Felix Rösel vom ifo Institut in Dresden. Er betont, dass Dorfgemeinschaften Experten in Sachen sozialer Zusammenhalt sind. Dies sollte aus seiner Sicht reaktiviert werden.


Für Prof. Philipp Oswalt vom Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen der Universität Kassel sind die ländlichen Regionen nicht abgehangen. Das Problem liege vielmehr in der Ausdünnung. Wenn über die ländlichen Räume gesprochen wird, fällt oft in diesem Zusammenhang das Wort Daseinsvorsorge. Oswalt macht deutlich, dass Daseinsvorsorge mehr als nur technische Versorgung ist. Es braucht dafür auch soziale Räume.


Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie unternimmt in ihrer Zuständigkeit innerhalb der Landesregierung für die ländlichen Regionen viel, um die Dörfer zu unterstützen. Die guten Beispiele werden gefördert und bekannt gemacht, um Nachahmende zu motivieren. „Die Zukunft Sachsen-Anhalts wird im ländlichen Raum entschieden. Dabei machen die Menschen den Unterschied: Heimat wird vor Ort gestaltet“, sagte Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert.


Konkrete Ansätze für mehr Leben in den Dörfern wurden in den fünf Workshops diskutiert. Auf besonders großes Interesse stieß der Workshop über Mobilität auf dem Land. Klassischer ÖPNV ist eine Lösung, damit die Menschen auch ohne Auto von A nach B kommen können. Aber es braucht auch neue Formen öffentlicher Verkehrsangebote. Diskutiert wurde über Bürgerschaftliches Engagement, etwa durch kommunal organisierte Mitfahrgelegenheiten. Im Workshop wurde auch die Wichtigkeit des Radverkehrs als unterschätztes Verkehrsmittel auf dem Land betont.

Über Fachkräftemangel wurde in dem Workshop „Der Letzte macht das Licht aus? Zuwanderung als Notwendigkeit für Sachsen-Anhalt“ diskutiert. Das Problem ist akut, da Sachsen-Anhalt besonders stark von Abwanderung und Überalterung betroffen ist. Das Land benötigt deshalb dringend Zuwanderung aus dem Ausland. Bislang sind die Rahmenbedingungen aber schwierig. Das liegt an zu hohen bürokratischen Hürden, etwa bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, und an einer fehlenden Willkommenskultur und Aufnahmebereitschaft vor Ort.

Gleichzeitig landwirtschaftliche Fläche für den Ackerbau und die Erzeugung von Solarstrom nutzen, um die ländlichen Räume zu stärken: Das Potential von Agro-Photovoltaik ist groß. Denn die erneuerbaren Energien können die wirtschaftliche Leistung der ländlichen Regionen und auch der landwirtschaftlichen Betriebe erhöhen. Um dies zu fördern, sollte von der Politik die Förderfähigkeit im Erneuerbaren-Energien-Gesetz eingeführt werden. Auch die Genehmigungen sollten entbürokratisiert und das Baugesetzbuch geändert werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die ländlichen Regionen ist die Digitalisierung und der Breitband-Ausbau. Mit diesem können die Vorteile des ländlichen Raums genutzt und eine moderne Lebensqualität für die Menschen in dünnbesiedelten Bereichen gewährleistet werden. Da es viel mehr aktive Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum gibt als sterbende Dörfer, gilt es, diesen Einsatz mit den neuen Möglichkeiten, die ihnen die Digitalisierung bietet, aufzugreifen und in ihr Engagement zu integrieren.

Der fünfte Workshop beschäftigte sich mit der Zukunft der Bildung auf dem Land. Dabei ist die Situation von Region zu Region unterschiedlich. Und so unterschiedlich wie die Ausgangslage zwischen Altmark und Saale selbst ist, müssen auch die Zukunftspläne für gute Bildungsbedingungen aussehen. Es bedarf dafür rechtliche Regelungen, die individuelle Lösungen vor Ort ermöglichen und eine Verwaltung, die dies engagiert unterstützt. Die Menschen und Gremien vor Ort müssen dafür mehr Gestaltungsraum erlangen und in die Lage versetzt werden, finanzielle Mittel für die Zukunft auf dem Land zu generieren.

„Ich habe viel Motivation aus dem Kongress mitgenommen. Meine Kolleginnen und Kollegen und ich blicken jetzt auf die Veranstaltungen vor Ort in den Regionen, wo wir weiteren Input für unseren Konzeptvorschlag erhalten werden“, so Cornelia Lüddemann. Bis Juni werden die fünf Abgeordnete der bündnisgrünen Landtagsfraktion vor Ort mit unterschiedlichen Veranstaltungen sein. Eine Übersicht finden Sie hier.

Im Sommer wird ein erster Konzeptvorschlag vorgelegt, um die ländlichen Regionen nachhaltig zu stärken. Dieser wird online einsehbar sein und alle Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, digital ihre Ideen einzubringen. Die Endfassung wird im Spätherbst veröffentlicht.

Ihre Abgeordneten

Dorothea Frederking
Dorothea Frederking
Sprecherin für Energie, Landwirtschaft, Tierschutz, Verbraucherschutz, Medien und Europa

0391 560 4021
Themengebiete:
Wolfgang Aldag
Wolfgang Aldag
Sprecher für Klima-, Natur- und Umweltschutz, Bildung sowie Kultur

0391 560 4023
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Sebastian Striegel
Sebastian Striegel
Parlamentarischer Geschäftsführer, Sprecher für Demokratie, Innen, Recht, Digitales Leben, Migration und Religion
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Olaf Meister
Sprecher für Wirtschaft, Finanzen, Kommunales, Wissenschaft sowie Tourismus

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