Mehr Leben ins Dorf bringen - Bericht zum Webinar



 

Große Supermärkte am Dorfrand und Neubaugebiete auf der grünen Wiese lassen Dorfkerne oftmals veröden. So macht sich Leerstand breit und Gemeinden verlieren ihre lebendige und soziale Mitte. Soweit so schlecht. Doch warum kommt es überhaupt zu diesem Effekt? Und noch wichtiger: Wie kann er gestoppt und Dorfzentren wieder zu lebendigen sozialen Orten gemacht werden?

Auf diese Fragen haben Prof. Hildegard Schröteler-von Brandt von der Universität Siegen und Roland Gruber vom Büro nonconform für partizipative Raumentwicklung erste Antworten in unserem Webinar formuliert, das im Rahmen der Reihe #LANDleben am 28. Oktober 2020 stattfand.

Das Problem des Leerstandes resultiert aus schrumpfenden Einwohnerzahlen und alter Bausubstanz in den Dorfkernen. Wohnanlagen und Ansiedlungen werden an Randlagen verlegt, weil diese vermeintlich attraktiver sind. Dadurch entsteht der sogenannten Donut-Effekt: Das Dorf hat ein Loch in der Mitte.

Daher muss das Anliegen lauten, aus Donuts Berliner Pfannkuchen zu machen. Denn lebendige Dorfmitten befördern die regionale Verbundenheit und prägen die Identität. Die gleichförmigen Neubausiedlungen am Dorfrand sind dem hingegen im Grunde austauschbar. Auch braucht es lebendige Dorfmitten als Begegnungsräume für Dorfgemeinschaften. Erst Kontaktmöglichkeiten im öffentlichen Raum prägen ein wirkliches soziales Miteinander und eine Dorföffentlichkeit.

Was es dafür braucht, ist prinzipiell schnell ausgemacht:

  • 1. Die klare politische Zielstellung „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ samt entsprechender Förderpolitik und Planung. Da dies oftmals neue und kreative Entscheidungen nötig macht, braucht es dafür insbesondere mutige Kommunalpolitik.
  • 2. Ideenentwicklung für eine lebendige Mitte samt breiter Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner
  • 3. Eine hauptamtliche Stelle als langfristigen Kümmerer für die Innenentwicklung. Gerade dieser lange Atem ist nötig, betont Roland Gruber, da es über zehn Jahre dauern kann, aus einem Donut einen Berliner Pfannkuchen zu machen.

Anschließend wurden Beispiele gelungener Transformation vorgestellt. Darunter waren verkehrsberuhigte Dorfmitten, bei dem die Straßen wieder zu Begegnungsräume wurden. Ebenfalls gezeigt wurden Konzepte für kreativen Einzelhandel, wie zum Beispiel Dorfläden samt digitaler Vernetzung aber auch Ansätze generationenübergreifenden Wohnens und Senioren-WG. Damit zeigt sich, dass das auf Bestreben der grünen Landtagsfraktion geschaffene Beratungsangebot zur Pflege im Quartier auch ein Baustein für mehr lebendige Dörfer ist.

Das Ziel lebendiger Dorfmitten ist also ein vielversprechender Ansatz, der viele Bereiche klassischer Politikfelder zusammenführt. Die Landespolitik kann mit der fachlichen Beratung der Kommunen und insbesondere der Förderung von hauptamtlichen Stellen für die Innenentwicklung diesen Prozess befördern. Dieses Ziel werden wir weiterhin verfolgen.

 

Präsentation von Prof. Hildegard Schröteler-von Brandt
Präsentation von Roland Gruber