KulturLand: Kreativräume in ländlichen Regionen – Bericht zum Insta-Live



 

Sind kulturelle Freiräume ein Phänomen in Großstädten? Die Initiative „Künstlerstadt Kalbe e.V.“ zeigt, dass Kunst und Kultur auch in den ländlichen Gegenden wichtige Themen sind. Der kulturpolitische Sprecher der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Wolfgang Aldag, war am 27. Oktober 2020 vor Ort in Kalbe (Milde). In einem konstruktiven Gespräch mit der Vereinsvorsitzenden Corinna Köbele wurde die Initiative vorgestellt und geklärt, welche Barrieren für mehr praktische Anwendungen abgebaut werden müssen. Das Gespräch wurde live auf Instagram übertragen und anschließend in unserem Feed veröffentlicht.

Mit dem Motto des Künstlers Joseph Beuys: „In jedem wohnt kreatives Potential inne“ wurde im Jahr 2013 der Verein gegründet, der das Ziel hat, dieses Potential in der Bevölkerung zu wecken. Kunst und Kultur sollten von der Gesellschaft für die Gesellschaft geschaffen werden. Dies passiert neben dauerhaften Ausstellungen an zwei Höhepunkten des Jahres: zum Sommer- und Wintercampus. Durch unterschiedliche Angebote wird das Engagement verschiedener Kulturschaffenden gefördert, betonte Corinna Köbele. Gleichzeitig ist es ein Anstoß für Menschen, die sich davor eher weniger bis gar nicht engagiert haben. Doch nicht nur einzelne Menschen profitieren von dem Projekt. Die Stadt Kalbe (Milde) wird durch wechselnde kulturelle Veranstaltungen belebt. Aus leerstehenden Räumen und Häusern wurden Ateliers und Galerien für Künstlerinnen und Künstler.

Die Idee kam der Vereinsvorsitzenden damals, als sie sich dem demografischen Wandel der Kleinstadt bewusst wurde. Durch ihr angedachtes Projekt sollten wieder mehr junge Menschen in die ländlichen Räume gezogen werden. Damals präsentierte sie ihre Idee allein vor dem Stadtrat. Mittlerweile umfasst das Team 130 Vereinsmitglieder weltweit, wovon 20 aktiv und regelmäßig ihre Expertise einbringen. 14 Immobilien haben sie momentan zur Verfügung.

Der Start verlief nicht gerade vielversprechend, berichtete Corinna Köbele. Mit dem Begriff „Künstlerstadt“ konnten viele Kalbenserinnen und Kalbenser erst nichts anfangen. Dazu kam die Frage, ob so etwas überhaupt notwendig ist. Jahre später zeigt sich allerdings, dass der Plan aufgeht. Die Attraktivität der Stadt wurde gesteigert, was am Zuzug junger Menschen aus ganz Deutschland festgemacht werden kann. Auch die Besucherzahlen steigen stetig an.

Köbele hob die zahlreichen Vorteile von kulturellen Freiräumen in ländlichen Regionen hervor:

  • Unterstützung kann schneller organisiert werden, da sich die Einwohnerinnen und Einwohner untereinander kennen. Es ist leichter, Freiwillige zu mobilisieren.
  • Dazu kommt, dass solche Ausstellungsräume in einer Großstadt kaum bezahlbar für ein solches Projekt wären. In Kalbe sei das dagegen kein Problem.
  • Die Stadt profitiert sogar davon, dass die Räume genutzt werden.
  • Solche Angebote sind auch Motor für die ländliche Entwicklung, es wirkt sich auf die gesamte Region aus und nicht nur auf die Gemeinde.

Es gibt jedoch auch einige Nachteile. Diesen möchte sich Wolfgang Aldag annehmen. Das Kernproblem sei, dass ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sich oft zu ausgiebig mit der Bürokratie beschäftigen müssen. Außerdem sollte das Wissen um finanzielle Förderung, sowie die Zugänglichkeit für diese ausgebaut werden. Eine Lösung dafür wäre aus Sicht von Corinna Köbele einen regionalen Fördermittelbeauftragen einzusetzen. Dadurch sollen Projektträger schneller und auf kurzem Weg Hilfe bei dem Beantragen von Fördermitteln bekommen. Aldag kündigte an, sich dafür einzusetzen.

Die Künstlerstadt Kalbe zeigt, dass es möglich ist, Kultur und Kunst auf dem Land zu fördern. Solche Initiativen werden auch weiterhin gebraucht, um ländliche Räume zu beleben, so das Fazit von Wolfgang Aldag.


Wolfgang Aldag
Wolfgang Aldag
Sprecher für Klima-, Natur- und Umweltschutz, Bildung sowie Kultur

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