Energiedörfer in Sachsen-Anhalt - Bericht zum Webinar



 

Wie kann es gelingen, mit der Energiewende mehr Leben ins Dorf zu bringen? Mit dieser Leitfrage beschäftigte sich unser Webinar mit Dorothea Frederking, den Referenten Guido Wallraven und Hans-Georg von Engelbrechten sowie 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Bis 2035 muss Deutschland klimaneutral sein, um eine 50-prozentige Chance zu haben, das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit einzuhalten. Das hob Dorothea Frederking, energiepolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, zu Beginn hervor. Damit ist eine konsequente, ambitionierte Energiewende hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien unausweichlich. Diese große Veränderung muss genutzt werden, um die Menschen daran teilhaben zu lassen, machte Frederking deutlich.

Saerbeck im nördlichen Münsterland ist Energiekommune des Jahrzehnts und setzt seit über einem Jahrzehnt vorbildlich die Energiewende um. Guido Wallraven ist Klimamanager der Stadt und stellte im Webinar die vielfältigen Aktivitäten vor Ort vor. Projekte von Privatpersonen sind der Schlüssel, um eine positive Dynamik vor Ort entstehen zu lassen. Dort wurde zum Beispiel Wissen über Solarthermie von den Kindergartenkindern verbreitet. Größtes Projekt in Saerbeck ist der Bioenergiepark, welcher Windenergieanlagen, Photovoltaik und ein Biomassekraftwerk beherbergt. Die Investoren sind dabei die Bürgerinnen und Bürger, die jährlich von einer Dividende von 3,5 bis 5,5 Prozent profitieren. Das zeigt, dass wer die Energiewende aktiv vorantreibt, auch wirtschaftlich davon profitieren kann. Dank des großen Engagements konnte Saerbeck bereits 2013 für den Bereich Strom 100 Prozent Erneuerbare Energien erreichen und produziert derzeit, bezogen auf den eigenen Strombedarf, 400 Prozent erneuerbaren Strom. Bis 2030 will Saerbeck auch in den Sektoren Verkehr und Wärme klimaneutral werden. Das sei aber der schwerere Teil, der den Kommunen erst noch bevorsteht, so Guido Wallraven. Hier gehts zur Präsentation (pdf).

Hans-Georg von Engelbrechten stellte das Bioenergiedorf Beuchte vor. Dort wird mit der Nutzung von Holz aus extensiv bewirtschafteten Bäumen (Kurzumtriebsplantagen) 70 Haushalte mit Wärme versorgt. Dadurch werden 160 000 Liter Heizöl jährlich ersetzt und 120 000 Euro an regionale Wertschöpfung generiert, obwohl dafür nur fünf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche des Dorfes gebraucht wird. 95 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche stehen also weiterhin der Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Frederking zeigte sich erfreut, dass die Realisierung dieses Projektes von Nahwärmenetz nur eineinhalb Jahren dauerte, was sehr schnell ist. Hans-Georg von Engelbrechten erläuterte, dass sich dieses Geschäftsmodell für nahezu jeden landwirtschaftlichen Betrieb eignet. Hier gehts zur Präsentation (pdf).

In der anschließenden Diskussion zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer großes Interesse am Bildungskonzept von Saerbeck, um es in ihren eigenen Projekten anwenden zu können. Auch wurde sich über ein mögliches „Terra Preta“ Projekt in der Altmark ausgetauscht, bei dem der Boden mit selbst gemachter Schwarzerde aufgewertet werden soll. Es wurde außerdem darüber diskutiert, wer beraten kann, welche Flächennutzung vor Ort am geeignetsten ist und wie zum Beispiel Photovoltaik mit Biodiversitätsmaßnahmen kombiniert werden können.

Das technische Potential und Knowhow sind ausreichend vorhanden, um die Energiewende weiter voranzutreiben, so das Fazit von Dorothea Frederking. Das Entscheidende ist aber, die Menschen mitzunehmen und zu begeistern. Denn wenn sie es anfangen und anpacken, dann werden sich andere Menschen anschließen und so gemeinsam mehr Leben ins Dorf bringen.

 


Dorothea Frederking
Dorothea Frederking
Sprecherin für Energie, Landwirtschaft, Tierschutz, Verbraucherschutz, Medien und Europa

0391 560 4021
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